Möhringen: damit die eigene Geschichte nicht verschüttet bleibt

Möhringen: damit die eigene Geschichte nicht verschüttet bleibt
Der Heimatkreis Möhringen wünscht allen Lesern einen guten Start in ein erfolgreiches und hoffentlich auch schönes 2026! Es wird ein Jahr, in dessen Zeichen auch die Ausgrabungen in Gänsäcker stehen. Gerade bei einem Zusammenschluss Geschichtsinteressierter Möhringer Bürgerinnen und Bürger darf die eigene Geschichte nicht zur Randnotiz verkommen. In der Vergangenheit konnte der Eindruck entstehen, dass seitens des Tuttlinger Rathauses die Ausgrabungen im Bereich Gänsäcker mehr mit Missmut als mit Begeisterung verfolgt wurden. Entstandene Kosten und die zeitliche Verzögerung hielten das Wohlwollen in Grenzen; auch die reduzierte Aufmerksamkeit einiger Mitglieder im Tuttlinger Rat während der Vorstellung der Ausgrabungsergebnisse, erweckten bei den Zuhörern auf der Besuchertribüne den Eindruck, andere Dinge seien wichtiger und deshalb während des Referats zu besprechen.
Unabhängig davon sei hier also die Frage erlaubt, ob dies alles berechtigt war. Vorausgesetzt, man verfügt selbst über die Sensibilität, die eigene Geschichte als Wert zu verstehen und entwickelt das notwendige Gefühl dafür, welchen Stellenwert diese Funde für die Region und die Wissenschaft haben, lautet für beide Fragen die Antwort zweimal eindeutig „Ja“.
Der Stellenwert dieser Ausgrabungen geht weit über das hinaus, was der von der Stadt Tuttlingen kürzlich erwähnte Film des Landesdenkmalamtes beschreibt. Wirft man einen Blick in das gemeinsam vom ‚Gesichtsverein für den Landkreis Tuttlingen‘ und dem ‚Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart‘ veröffentlichten Buch „Archäologie im Landkreis Tuttlingen“, kann man erahnen (und nachlesen), dass hier der Nachweis für eine Besiedlung über Jahrtausende hinweg erbracht wurde.
Konkret ein paar Highlights: es konnte bewiesen werden, dass bereits in der Früh- bis Mittelbronzezeit südlich der Donau „erste Möhringer“ lebten. Nachweislich gab es im Bereich des heutigen „Unter Haßlen“ eine Siedlung mit insgesamt 15 Häusern. Die Ausgrabungen deuten zudem darauf hin, dass bis auf eine kurze Zeitspanne von 2300/2200 bis 1450 v. Chr. dieses Gebiet immer besiedelt war. Selbst während der Besiedlungslücke zwischen ca. 1650 und 1500 v. Chr waren die Menschen nicht verschwunden: es wird vermutet, dass sie die Donauseite wechselten und auf der anderen Talseite siedelten, auch dies konnte mittels Ausgrabungen bestätigt werden. Selbst in der Römerzeit hörte die Nutzung dieses Gebiets nicht auf: an gleichem Ort stieß man auf einen großen römischen Gutshof mit ca. 4 ha aus der Zeit des 2. Jahrhunderts n. Chr., der dann infolge des Rückzugs der Römer aus diesem Gebiet verfiel; die Stelle selbst aber wurde wieder als Siedlungsgebiet von Einheimischen genutzt.
Wie ist mit diesen Funden jetzt umzugehen? Die Ausgrabungsstellen wurden wieder zugeschüttet, um sie so für die Nachwelt zu erhalten. Die Fundstücke selbst werden bis jetzt wissenschaftlich ausgewertet, um später in den verschiedenen Museen im Land für die Öffentlichkeit zugänglich zu sein. Hier stellt sich nicht nur für den Heimatkreis Möhringen, sondern auch für die gesamte Bevölkerung inklusive des Ortschaftsrates die Frage, wie Möhringen ein Stück seiner eigenen Geschichte für sich reklamieren kann.
In Absprache mit allen Verantwortlichen schwebt dem Heimatkreis Möhringen die Einrichtung einer Ausstellung im Möhringer Rathaus vor. Auch sollte gemeinsam mit dem Ortschaftrat überlegt werden, ob nicht auch das eine oder andere Unternehmen, das seinen Sitz nach Gänsäcker verlegt, sich als Sponsor für die Ausgrabungsstätten positionieren möchte. Warum sollte im Rahmen der Bauvorhaben an den relevanten Orten nicht eine archäologische Spur als architektonisches Element in die Gebäudeplanung einfließen – dies wäre eine besondere Geste gegenüber der Stadt Möhringen und seiner Bürgerschaft und sicher nachhaltiger als nur ein Hinweis auf die Existenz eines Kurzfilms.
Wer Interesse am Heimatkreis Möhringen hat, ist herzlich zum nächsten Treffen am 02.02.2026 um 18 Uhr im Rathaus Möhringen, Hermann-Leiber-Zimmer, eingeladen.
Weitere Informationen und Termine unter www.heimatkreis-moehringen.de.