Exkursionsbericht Weißes Kreuz

Das „Weiße Kreuz“ im Rabental – ein Ort der Erinnerung
Exkursion des Heimatkreises Möhringen zum wiederhergestellten historischen Gedenkkreuz
Eine besondere und bewegende Exkursion führte den Heimatkreis Möhringen am 22. Oktober 2026 zum sogenannten „Weißen Kreuz“ im Rabental. Anlass war die erfolgreiche Restaurierung und Wiederaufstellung des historischen Gedenkkreuzes, das an das tragische Schicksal der erst elfjährigen Maria Buschle erinnert.
Im April 1893 war das Mädchen an dieser Stelle überfallen und so schwer misshandelt worden, dass es drei Wochen später seinen Verletzungen erlag. Das zu ihrem Gedenken errichtete „Weiße Kreuz“ hielt über Jahrzehnte die Erinnerung an dieses erschütternde Ereignis wach.
Besonders eindrucksvoll war die Ansprache von Ortsvorsteher Andreas Speck. Mit einfühlsamen und nachdenklichen Worten erinnerte er an das junge Opfer und schlug zugleich den Bogen zur Gegenwart. Er thematisierte das Leid von Kindern, die Opfer sexueller Gewalt werden, und machte deutlich, wie wichtig es ist, solche Schicksale nicht zu verschweigen oder in Vergessenheit geraten zu lassen.
Eine besondere Bedeutung erhielt die Zusammenkunft durch die Anwesenheit von Angehörigen der Familie Buschle. Für einen Nachfahren, dessen Großtante Maria Buschle gewesen wäre, und seine Ehefrau war der Besuch des Gedenkortes sichtlich bewegend. Auch der einst mit der Familie verbundene Bauernhof, der sogenannte „Brunnerhof“, existiert bis heute, wenn auch nach einer wechselvollen Geschichte inzwischen in anderem Besitz. So wurde an diesem Nachmittag auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie eng Ortsgeschichte und persönliche Familiengeschichte miteinander verbunden sein können.
Dass das „Weiße Kreuz“ heute wieder an seinem ursprünglichen Standort steht, ist auch dem vorausschauenden Handeln von Bernhard Wiljotti zu verdanken. Er hatte um das Jahr 1973 die Überreste des damals bereits zerstörten Gedenkkreuzes entdeckt und gesichert. Weshalb das Kreuz seinerzeit zerstört wurde, ist nicht bekannt; möglicherweise hatten Witterungseinflüsse zu seiner Beschädigung beigetragen. Ohne die damalige Sicherung der erhalten gebliebenen Fragmente wäre eine spätere Restaurierung und Wiederaufstellung kaum möglich gewesen.
Mit großem ehrenamtlichem Engagement haben Mitglieder des Heimatkreises Möhringen das historische Kreuz wieder instandgesetzt. Dank der tatkräftigen Unterstützung Ortsansässiger konnte es schließlich an seinem ursprünglichen Standort erneut aufgerichtet und fest verankert werden.
Die Exkursion machte deutlich, dass die Bewahrung historischer Kleindenkmale weit mehr bedeutet als die Erhaltung alter Steine. Sie bewahrt Erinnerungen, verbindet Generationen und gibt den Menschen, deren Schicksale mit der Geschichte eines Ortes verbunden sind, einen Platz im kollektiven Gedächtnis.
Mit der Wiederherstellung des „Weißen Kreuzes“ hat der Heimatkreis Möhringen einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der örtlichen Geschichte und Erinnerungskultur geleistet. Das schlichte Gedenkkreuz im Rabental erinnert auch künftig an das kurze Leben der Maria Buschle – und daran, dass hinter jedem historischen Denkmal ein menschliches Schicksal stehen kann.
Hinweis: Der Heimatkreis Möhringen unternimmt am Montag, den 16.11.2026, auf Einladung des „Heimatkreis Fridingen e.V.“ eine Exkursion nach Fridingen und lädt Interessierte herzlich dazu ein, ebenfalls teilzunehmen.
Wir bilden Fahrgemeinschaften und treffen uns deshalb um 14:30 am Rathaus Möhringen. Späteste Abfahrt 15 Uhr, da die Führung in Fridingen um 15:30 beginnt.
Weitere Infos zum Heimatkreis Möhringen unter www.heimatkreis-moehringen.de.